Eigenheim mit Mitteln der Pensionskasse kaufen: Was Sie dazu wissen müssen

Das angesparte Kapital aus der zweiten Säule wird gerne verwendet, um sich den Traum eines Eigenheims zu erfüllen.

 

Im Jahr 1995 wurde die Verordnung über die Wohneigentumsförderung (WEF) mit Geldern der beruflichen Vorsorge in Kraft gesetzt. Die Möglichkeit des Kapitalbezugs wurde mit dem politischen Ziel eingeführt, die Wohneigentumsquote in der Schweiz zu erhöhen. Diese gesetzliche Neuerung stiess jedoch nicht nur auf Zustimmung. Kritische Stimmen sehen darin die Schmälerung des Altersguthabens, denn das Pensionskassenkapital hat zusammen mit der AHV das Ziel, den gewohnten Lebensstandard im Alter zu erhalten. Durch den Bezug von Vorsorgegeldern aus der Pensionskasse (2. Säule) für den Kauf von selbstgenutztem Wohneigentum reduziert sich jedoch das Altersguthaben und damit auch die zukünftig zu erwartende Altersleistung.

 

Vorsorgegelder können auf zwei Arten zur Finanzierung von selbst genutztem Wohneigentum (z.B. Haus oder Wohnung) eingesetzt werden. Sie können als Barmittel bezogen und als Eigenkapital eingesetzt werden oder verpfändet werden.

 

Das Vorsorgesystem der Schweiz.

 

PENSIONSKASSENKAPITAL BEZIEHEN

Gelder aus der Pensionskasse können bei Finanzierungen von selbstgenutztem Wohneigentum als Eigenkapital eingesetzt werden. Die Vorsorgeeinrichtung zahlt einen Betrag bis zur Höhe der Freizügigkeitsleistung des Versicherten aus, jedoch mindestens CHF 20'000. Dabei ist zu beachten, dass beim Kauf einer Immobilie nicht nur Eigenkapital aus der zweiten Säule eingesetzt werden darf. Mindestens 10 Prozent des Kaufpreises der Immobilie müssen mit Mitteln eingebracht werden (z.B. Kontoguthaben), die nicht aus der beruflichen Vorsorge stammen (harte Eigenmittel). Durch das eingebrachte Eigenkapital aus der Pensionskasse reduziert sich die Hypothek, und damit fällt die Hypothekenzinsbelastung tiefer aus. Diesem Vorteil steht jedoch auch ein Nachteil gegenüber: Durch den Barbezug aus der Pensionskasse reduzieren sich die Vorsorgeleistungen, zumindest die Altersleistungen. Das heisst, dass zum Zeitpunkt der Pensionierung ohne Gegenmassnahmen weniger Altersguthaben für die Rente zur Verfügung steht. Als mögliche Konsequenz daraus kann die Tragbarkeit der Hypothek im Alter nicht mehr gegeben sein, da die Belastung durch das Eigenheim in einem vernünftigen Verhältnis zum Einkommen stehen muss Selbstverständlich ist es während der Erwerbsdauer anzustreben, das bezogene Kapital wieder in die Pensionskasse einzuzahlen um die offene Lücke zu verkleinern bzw. wieder zu schliessen. Rückzahlungen sind auch in Tranchen ab CHF 10'000 möglich.

 

STEUERLICHE AUSWIRKUNGEN BEIM BEZUG DER PENSIONSKASSE

Ein Vorbezug aus der Pensionskasse muss versteuert werden. Dieser wird als Kapitalleistung unabhängig vom übrigen steuerbaren Einkommen gesondert zu einem reduzierten Satz besteuert. Daher ist es nicht von Bedeutung ob es in einem Jahr bezogen wird in welchem Ihr Einkommen höher oder tiefer ist. Die Meldung des Vorbezugs erfolgt automatisch an die eidgenössische Steuerverwaltung. Wichtig: Die Steuer unterliegt wie bei der Einkommenssteuer auch einer Progression. Daher kann, sofern möglich, ein gestaffelter Bezug durchaus Sinn machen. Dabei darf nicht vergessen werden, dass ein Vorbezug nur alle fünf Jahre geltend gemacht werden kann. Die anfallende Steuer darf nicht aus Geldern der zweiten Säule bezahlt werden. Und wie sieht es mit der Abzugsfähigkeit von Einkäufen in die Pensionskasse nach einem Vorbezug aus? Bis zur vollständigen Rückzahlung des vorbezogenen Kapitals dürfen keine steuerwirksamen Abzüge geltend gemacht werden. Jedoch kann die Steuer auf dem damaligen Bezug innert dreier Jahre nach Wiedereinzahlung mittels eines schriftlichen Gesuchs zurückgefordert werden.

 

PENSIONSKASSENKAPITAL VERPFÄNDEN 

Auch die Verpfändung von Mitteln aus der beruflichen Vorsorge hat Auswirkungen auf Ihre finanzielle Zukunft. Bei der Verpfändung wird das Vorsorgeguthaben von der finanzierenden Bank als Zusatzsicherheit mit in die Finanzierung eingebunden. Die Vorsorgegelder werden an die Bank verpfändet, und der Hypothekenbetrag kann um die verpfändete Summe erhöht werden. Bei einer Verpfändung entsteht keine unmittelbare Vorsorgelücke, da kein Kapital bezogen wird. Erst bei einer allfälligen Pfandverwertung können Vorsorgelücken entstehen. Wichtig: Im Gegensatz zum Pensionskassenbezug reduziert eine Verpfändung die bestehende Hypothek nicht. Somit reduzieren sich die Hypothekarzinsen grundsätzlich nicht wie bei der Variante des Bezugs. Dafür verbleibt das Kapital in Ihrer Pensionskasse, Sie profitieren von deren Verzinsung und erhalten bei der Pensionierung keine reduzierte Altersleistung.

 

SO KÖNNEN SIE VORSORGEN

Denken Sie daran, dass die Tragbarkeit der Immobilie auch nach der Pensionierung gegeben sein muss. Das heisst, die Belastung aus Hypothekarzins sowie Unterhalts- und Nebenkosten sollte ein Drittel des Einkommens nicht übersteigen. Werden Gelder aus der Pensionskasse bezogen, ist ein Gespräch mit Experten wie Ihrer Bankberaterin oder Ihrem Bankberater empfehlenswert. Gemeinsam eruieren Sie, welche Massnahmen bis zum Pensionsalter getroffen und umgesetzt sein müssen, um auch im Alter das Wohneigentum sorgenfrei geniessen zu können. Das Zusammenspiel von Bank- und Versicherungsprodukten nimmt dabei eine wichtige Rolle ein. Für das Banksparen spricht der Spargedanke mittels gebundener Selbstvorsorge in Form eines Säule-3a-Kontos und/oder einer 3a-Wertschriften­lösung (private Vorsorge). Für die Abdeckung des Risikos von Erwerbsunfähigkeit (z.B. Invalidität) oder sogar Tod ist eine Versicherungslösung erstrebenswert.

 
 

Zusammenfassung

  • Kapital aus der Pensionskasse kann zum Kauf von selbstbewohntem Wohneigentum bezogen oder verpfändet werden.
  • Durch den Barbezug aus der Pensionskasse reduzieren sich die Altersleistungen.
  • Ein Bezug aus der Pensionskasse für Wohneigentum hat steuerliche Folgen.
  • Ein Bezug aus der Pensionskasse ist nur alle fünf Jahre möglich.
  • Bei einem Vorbezug der Pensionskasse ist ein Gespräch mit Experten wie Ihrer Bankberaterin oder Ihrem Bankberater empfehlenswert.
  • Mindestens 10 Prozent des Eigenkapitals zum Kauf Ihrer Immobile dürfen nicht aus Vorsorgegeldern bestehen.
  • Die Verpfändung der Pensionskasse hat keine steuerliche Folgen (sofern keine Pfandverwertung). 

 

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Eigenheim und Pensionierung - was Sie dazu wissen müssen

Finanzierung meiner Immobilie nach der Pensionierung

Gebühren beim Liegenschaftsübertrag

Wie sichere ich meine Immobilie ab?

 

 

Beratung anfordern

 

 

Eigenheim mit Mitteln der Pensionskasse kaufen: Was Sie dazu wissen müssen | 29.11.2018 | © NEUE AARGAUER BANK